Ruby, Ruby, Ruby, Ruby
Viel verlaufen führt an´s Ziel. Mit Hannah und Ruby in der Prieroser Heide - kurz und schön
27. Oktober 2024: Herbst oder Sommer in Prieros – ganz eindeutig ist das nicht. Jedenfalls ist es schön. Hannah will wandern – das war vor 20 Jahren noch anders. Vielleicht will sie nur Ruby wandern sehen. Zur Hundeerziehung gehören Beobachtungen beim Hundewandern sicher dazu.
Ich bin mir wie immer nicht sicher, was ich eigentlich will. Entweder das Grundstück in Prieros winterfest machen, die Küche in der Obentrautstrasse aufräumen, die wir gestern aufgebaut hatten oder eben wandern. Ich gehe wandern. Außerdem habe ich auch eine Strecke im Kopf, die mich interessieren würde. Hier habe mich schon so oft verlaufen, dass ich mich inzwischen gut auskenne. Mein Plan ist, alle Fehlversuche zu einer Tour zusammen zu führen. Diese Wanderung ist also prädestiniert dazu, sich zu verlaufen. Wer Sie wandern möchte, sollte entweder ein Handy mit der GPS Route mitnehmen oder sich einfach entspannt verlaufen. Es ist am Ende überall schön. Man muss halt wieder zurückkommen.
Hannah wollte eigentlich gar nicht in Prieros wandern. Zu wenig anspruchsvoll und langweilig. Ich wollte nicht Auto fahren. Der öffentliche Nahverkehr in die nächsten Wandergebiete ist schwierig. Aber nachdem die AFD bei den Wahlen im September die Notwendigkeit des Ausbaus der ländlichen Infrastruktur – vor allem in Bezug auf Sauberkeit und Sicherheit – den Brandenburger:innen näher gebracht hat, wird sich das sicher ändern. Beim nächsten Mal winkt dann die absolute Mehrheit. Noch müssen wir allerdings von unserer Haustür loslaufen. Apropos Infrastruktur: an diesem Ausgangspunkt kann man parken.
Der erste Anhaltspunkt ist der angrenzende Kieferwald. Wenn der Wald rechts ist, ist es gut. Wenn auf beiden Seiten Häuser sind, muss man genau in die andere Richtung laufen.
Es fängt schön an – rechts im Wald sind Krüppelkiefern. Außerdem ist der Wald gerade frisch gerodet, so dass die üblichen Kieferplantagen fehlen. Mal sehen, ob sie wieder gepflanzt werden oder wir in Zukunft einen Laubwald haben werden.
Nach ca. 300 Metern kommt man an die Landstrasse. Wenn man hier nicht herauskommt, ist es sicher auch schön und man erfindet sogar eine neue Route. Wir überqueren die Straße und laufen zum Ziestsee. Die ersten 500 Meter hat Ruby schon geschafft. Hannah ist zufrieden.
Auf der rechten Seite ist bald ein Zugang zum See. Den würde ich mir ansehen – es ist schön und ein echter Geheimtipp.
Der Ziestsee ist nicht nur einer der romantischsten Seen in unserer Nähe, sondern auch der Grund warum wir heute hier sind. Wir hatten 2005 nach einem Seegrundstück gesucht und uns ein Grundstück am Ziestsee angesehen. Trotz Seeblick und schönem Steg war es nichts für uns. Auf dem Rückweg haben wir dann unser Grundstück gesehen. Es hatte mehr Blautannen und man konnte den See nicht sehen. Das haben wir gekauft.
Nachdem wir am Ende der Sackgasse das alte Grundstück besichtigt haben (das muss nicht jeder machen), gehen wir ein Stück zurück und rechts in die Wiesen – der Rundweg um die Koppeln. Meine sizilianischen Eselfreunde sind da. Sie pendeln offensichtlich auch.
Hannah und Ruby versuchen, mit dem Shetland Pony zu interagieren. Beide Tiere sind mäßig interessiert, Hannah sehr. Wir gehen trotzdem weiter. Kurz vor einer improvisierten Brücke, biegen links in den Wald auf einem Minipfad. Ab jetzt orientiert sich man einfach an den Wiesen und Feldern.
Wer sich das nicht traut, geht über die Brücke und weiter der Forststrasse entlang um den Ziestsee herum und ist nach 3 km wieder bei uns am Grundstück.
Wir gehen in den Wald. Wir wollen auf den Streitberg. Mit seinen 54 Metern Höhe ist er auch aus der Nähe nicht zu erkennen. Er sieht aus wie ein Wald. Mit ein paar höheren Bäumen in der Mitte. Wir laufen weiter an Wiesen und Feldern entlang und gehen dann zur Abwechselung mal in den Wald. Hat sich gelohnt – hier liegen lauter Steine herum. Stonehenge aus dem Dritten Reich oder der DDR. Hannah und Ruby machen auf den Steinen Agility Training.
Wir erreichen den Wald um den Streitberg. Das ist einer meiner Lieblingsorte rund um Prieros. Jetzt im Herbst ist die Stimmung besonders schön.
Beim Streitberg handelt es sich eher um ein Tal, in dem zwei kleine Tümpel sind. Links geht es hoch in die Kieferwälder, rechts in die Laubwälder. Wild und urtümlich. Deshalb folgen wir am ersten Weiher auch dem rechten Weg und nicht dem linken größeren. Unser Weg wird immer mehr zum Trampelpfad und eigentlich habe ich mich verlaufen. Merkt aber keiner. Hannah kümmert sich um Ruby und Ruby um sich selbst. Jedenfalls kommen wir irgendwann nicht mehr weiter und kraxeln im Zickzack hoch auf den Kamm. Hier laufen wir weiter. Wir erreichen eine Düne. Ich sehe sie heute das erste Mal – Wanderdüne.
Jedenfalls sind hier alle Wege schön. Das ist eigentlich eine schöne Geburtstagswanderung. Vor ein paar Jahren hatte ich meine Freund:innen nach Prieros an meinem Geburtstag zum Wandern eingeladen. Wir sind dann wie eine Karawane durch die Landschaft zu einem anderen meiner Lieblingsorte gezogen (mein Bruder und Wolf haben der Gruppe den Weg gezeigt – ich war zwar schon oft dort, das fanden beiden nicht so relevant). Jedenfalls war das sehr schön und unsere heutige Wanderung wäre super für das nächste Mal – dieses Mal fahre ich zum Feiern nach Sizilien.
Wir laufen in einem Bogen durch den Wald bis wir wieder an die Bundesstraße kommen, die wir erneut überqueren. Ab jetzt orientieren wir uns wieder an den Feldern und Wiesen. Wir suchen und finden das Köllnitzer Fließ.
Dem Fließ folgen wir bis zum Ende und wir erkennen, dass wir auf der falschen Seite sind. Schwimmen, springen oder links abbiegen und außen herumlaufen. Wir laufen links, Ruby springt auf die andere Seite. Ruby will einem (tollwütigen) Fuchs hinterher und ich trete auf ihre Leine. Hannah findet mich jetzt toll.
Nachdem Ruby diese Situation überlebt hat und ich ein Avenger bin, laufen wir auf der anderen Seite des Fließes zurück und machen uns auf die letzten Kilometer.
Wir haben beide Blasen und entscheiden uns für den kürzesten Weg. Ich kenn eine Abkürzung. Ich würde sie kein zweites Mal nehmen – kam mir länger vor und es gab auch keinen Weg, sondern nur Baumstämme auf dem Boden. Am Ende habe ich mich dann verlaufen. Ohne Hannah hätte ich unser Haus nicht gefunden. Ich war schon vorbei gelaufen. Der Spaziergang ist halt sehr kurz. Wieder am Ziestsee wäre es mir aber aufgefallen.
Diese Wanderung kann ich wirklich empfehlen. Sie ist kurz, leicht und jeder Meter schön und kein Mensch kennt sie. Viel verlaufen führt also auch ans Ziel.
P.S.: Ich würde Wasser mitnehmen. Ich war zu faul eine Flasche zu suchen und habe 2 Stunden gelitten. Hannah fand mich da auch noch nicht so toll.