Im Nebel verläufts sich auch

 

4. Oktober 2024: mit Milou rund um Serro die Nappe im Nebel. Wir finden unsere ersten Steinpilze in Sizilien und verlaufen uns natürlich. Ende gut alles gut – sogar die Sonne scheint, um uns den Heimweg zu zeigen.


Das Wetter war schlecht. Andi und Eva sind zu Besuch, und Andi hatte sich vorgenommen absolut nichts zu machen. Das wollte ich auch machen – entspannen, no fear of missing out, einfach nur rumhängen. Bisher blieb es beim Versuch, aber heute bot sich endlich die Gelegenheit, in der Tettoia mein Buch über Kamerun weiterzulesen (der erste nicht-Krimi seit Mitte der 90-er). Reisebücher statt Reisen – kann man mal ausprobieren. Vor allem, nachdem Lotta gerade von ihrem Forschungsprojekt aus Tansania zurückgekommen ist, habe ich mein Interesse für Afrika entdeckt. Dabei fällt mir ein, dass man für eine Wanderung auf den Kilimandscharo oder auf den Nachbarberg (der laut Lotta viel besser sein soll) Kondition braucht. Also überrede ich Milou doch noch, mit mir wandern zu gehen. Danach erholen wir uns dann – geht mit einem Bier sowieso besser.

Also los, ab in den Nebel. Kurze Kontrolle: Regenjacke und Wanderstock dabei, Müsliriegel, Handy mit heruntergeladener Karte und für den Notfall auch die Powerbank samt Kabel. Ich habe vorsichtshalber zwei Routen geplant. Die Gegend kenne ich zwar noch nicht, aber ich habe das Gefühl, hier könnte man Steinpilze finden. Letzte Woche haben wir massenhaft Italiener*innen mit riesigen Körben und Holzstöcken durch den Wald beim Monte Soro laufen sehen und dachten, sie ernten Steinpilze. Das will ich auch – wir haben sowieso nichts zu essen zu Hause. Selbstversorgung finde ich gut. Also nehmen wir auch leere Flaschen mit, falls wir im Gebirge eine Quelle finden. Ein Jutebeutel und ein Messer kommen auch mit, damit wir die Pilze nach Hause kriegen.

Let’s go: Wir fahren Richtung Ucria und biegen dann nach Tortorici ab. Dort parken wir an einer Trattoria. Ich habe mich für einen Rundweg um den Serro di Nappe auf etwa 1300 Metern entschieden. Der Hin- und Rückweg ist zwar teilweise identisch, aber das war uns egal – bei diesem Nebel sieht man ohnehin nichts.

Es geht gleich gut los: Drei Wege stehen zur Auswahl – ein Forstweg nach links (den nehmen wir auf keinen Fall – zu langweilig), ein Steinweg mit Löchern geradeaus (schon besser) und rechts ein Pfad durchs Gebüsch. Ganz klar: Das ist unser Weg! Also hoch auf den Berg. Nach einigen Metern führen die beiden "geradeaus" Wege wieder zusammen auf einen schönen alten Steinweg. Rechts von uns tauchen vierbeinige Schatten auf – Kühe wahrscheinlich. Wer die verpasst, läuft höchstwahrscheinlich falsch. Wir wissen allerdings auch nicht so genau, wo wir sind. Plötzlich versperren zwei Esel den Weg. Was nun? Sie haben mehr Angst als wir. Wir gehen weiter, immer leicht bergauf, bis wir auf eine Anhöhe kommen. Alles ist eingezäunt, und der Hauptweg führt wieder bergab – war das schon der Gipfel? Nach nur 2 km? Kann nicht sein, aber der Weg geht wieder runter. Etwas unentschlossen folgen wir ihm. Im Notfall laufen wir einfach zurück. Es ist schlammig, nass und ziemlich kalt.

Nach einiger Zeit kommt eine Abzweigung nach links. Die nehmen wir auf jeden Fall – sonst sind wir im Tal, wo wir bei unserer Gipfelbesteigung auf keinen Fall hinwollen. Wir laufen über Wiesen, und links und rechts beginnt der Wald. Wir halten immer wieder Ausschau nach Pilzen, finden aber nur Pinienzapfen. Milou ist zufrieden und kaut darauf herum.

Nachdem wir ungefähr eine Stunde unterwegs sind, geht es rechts immer mal wieder Pfade durchs Gebüsch in Richtung Gipfel. Wir entscheiden uns allerdings für einen kleinen Weg nach rechts. Hier sieht es für mich nach Pilzen aus.

Der Weg ist ein Geheimweg zum Monte dell´Orso, den ich mal ausprobieren muss.

Wir stolpern aber gleich über 2 vergammelte Steinpilze. Wo es alte gibt, sind sicher auch frische. Ab, auf die Suche. Tatsächlich finde ich ziemlich schnell ein super Exemplar. Wir laufen hoch motiviert auf der Suche querbeet durch den Wald und finden auch ein paar Pilze. Sehr schöne und genug für ein Abendessen zu viert. Also auf nach Hause.

Es gibt auch einen Weg, der mir bekannt vorkommt. Ich bin sicher, es ist der den wir vorhin entlanggelaufen sind. Nach einigen Metern möchte ich doch auf Nummer sicher gehen. Ich schaue also auf die Rother Karte und wie es zu erwarten war – wir laufen in die falsche Richtung. Ist halt neblig, da kann man schon mal die Orientierung verlieren. Kein Problem. Der richtige Weg verläuft fast parallel, wir müssen nur kurz durch den Wald.  Gut, dass ich lange Hosen, ein langärmliges Hemd und meinen Wanderstock dabei habe. Das Gebüsch ist recht hoch, und es geht steil bergauf. Von unten sah das einfacher aus. Aber wir sind querfeldein erprobt und erreichen fast den Weg.

Sehen kann ich ihn schon durch den 2 Meter hohen Zaun. Ich überlege, wie ich da rüberkomme und dabei auch Milou noch mitnehme. Da habe ich ihr zu lange gebraucht und sie ist schon mal weiter gegangen.  Sie hat eine Leiter gefunden und ist rüber geklettert. War anscheinend kein Problem und ich klettere auch rüber.

 

Der Weg ist toll und geht durch den Wald. Pilze finden wir keine mehr aber dafür die Zivilisation. Wir sehen die Landstrasse nach Floresta. Dabei fällt mir auf, dass der Nebel sich lichtet und die Sonne herauskommt. Wir laufen nach links und kommen dann wieder an den Steinweg, auf dem wir schon hochgelaufen sind. Jetzt in der Sonne sehen wir auch wie schön das hier ist. Rechts von uns der beeindruckende Fels – Pizzo di Cucullo. Links Kühe – wahrscheinlich die Schatten des Hinweges.

In der Sonne finden wir dann auch unser Auto und fahren mit unserer Beute nach Hause.


Abends gibt es Pasta Porcini. Ganz einfach: Man nehme erstklassige Steinpilze, brate sie mit Knoblauch in eigenem Olivenöl an und vermische sie mit frischer Pasta. Ein bisschen super Parmesan, wenn man mag. Das reicht. Sahne oder Wein würde ich nur bei Giftpilzen verwenden. Petersilie macht’s grün, aber auch nicht besser (dafür hätte ich im Dunkeln durch den Garten laufen müssen, um sie zu suchen).


Die Wanderung ist sicher auch ohne Nebel schön und lässt sich in zwei Richtungen verlängern: entweder zum Monte dell’Orso (das würde ich machen) oder in Richtung Castelumberto.

Das ist der Komoot link:

https://www.komoot.com/de-de/tour/1895635868?share_token=a3l1DavK1othFSrkkoMIP3d9YsqeXDbspQhGGYeSpbL3JeBC7r&ref=wtd

https://www.komoot.com/de-de/tour/1895635868

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