Minenfeld

26. Januar 2025 mit Andi und Eva in Luckenwalde

“wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um” (Wolf Biermann) - wandern im Truppenüberungsgelände

,Sonntag morgen, 9.50. Regen ist angesagt. Halb Berlin ist in Outdoor Klamotten unterwegs. Wie in Bayern. Wahrscheinlich wird's voll an der größten Wanderdüne Europas in Luckenwalde. Da will ich hin. Mit dem R 4. Es lebe der Nahverkehr und das Deutschlandticket.

Andi und Eva haben die Wanderung ausgesucht. Wir waren schon öfter gemeinsam unterwegs. Vorallem während der Pandemie. Mit Andi hat eine Rundwanderung schon einmal am Ufer der Havel geendet. Das Auto stand am anderen Ufer. Jetzt haben sie die Wanderung ausgesucht und sind auf Sicherheit gegangen. Die Düne ist neben einem ehemaligen Truppenübungsgelände. Wir parken am Wanderparkplatz. Man könnte auch vom Bahnhof laufen. Die 2 km sparen wir uns. Nach 100 Metern durch den Wald, verstehe ich, warum wir hier sind. Kilometer weit alles flach und sandig. Vor uns ein gerader Weg, der im Horizont verschwindet.

Ich schaue auf die Karte und sage zu den Beiden: “wir können auch rechts gehen. Da kommt ein See und ein Kloster”. Andi zeigt auf das weiße Schild und antwortet: “Hier gibt´s Minen und zum Kloster Zinna sind es 30 km”. Wir nehmen den Weg. Ich gehe bockig 10 Meter rechts im Sand. Ganz schön anstrengend und ich habe eine Zerrung. Also laufe ich jetzt auch auf der Strasse. Die Landschaft ist spektakulär: nach rechts auf dem Truppenübungsgelände weite Heideflächen, Büsche, die an die Macchia im Süden erinnern und gelber, sauberer Sand.

Und dann die Schützengraben, Wachtürme, Bunker. Betonmonster.

In solchen Schützengräben sitzen jetzt ukrainische Soldaten. Die Russischen haben hier gelernt, wie es geht. Wo man hinsieht: nur Katastrophen. 1990 habe ich gemeint, in diese Welt kann man keine Kinder setzen. Und jetzt? Aber die Landschaft ist schön. Die AfD kennt sich in Brandenburg aus. Keine Klimakatastrophe weit und breit. Wahrscheinlich woanders. Intelligenz siegt immer.

Nach einigen Kilometern geht es links Richtung Düne. Mehr Sand. Wir kommen zum Aussichtspunkt Wurzelberg. Auf dem Boden eine große Betonplatte mit verblichenen Wegen durch das Militärgelände. Kriegsspiele. Von hier aus sehen wir die Wanderdüne. Einsam. Keine Berliner Outdoor Spezialisten. Wahrscheinlich sind die im Grunewald. Da gibts auch Bunker und es ist näher.

Wir kommen wieder an unsere Strasse. Nach links geht es nach Süddeutschland. Da waren wir schon. Nach rechts zum Auto. 10 Meter höher und man könnte es sehen. Andi: “ Gehen wie einfach wieder zurück”. No way. So verletzt bin ich auch nicht. Kein weißes Schild zu sehen. Keine Minen hier. Auf der Rother Karte sind Wege verzeichnet. Andi und Eva ist der Weg zurück wohl auch zu langweilig. Ohne gross nachzudenken folgen sie mir auf den Trampelpfad. Nach wenigen Metern verschwindet der Weg im Sand. Laut GPS sollen wir uns rechts halten. Andi und Eva kennen keine Furcht oder wissen, dass es mit mir immer gut geht. Auf Umwegen. Wir schlagen uns durch Heide, Birken und Gestrüpp. Es gibt doch einen Weg - immer weiter in das Truppenübungsgelände hinein. Wir kommen an einem Wehrmachtsbunker heraus. Hier haben anscheinend auch schon Nazis Krieg gespielt. Von hier oben sieht man weit. Ausblick in die Ferne. Typisch Brandenburg. Kaum stehst du einem Hügel, kannst du 60 km weit sehen. Schön.

Auf dem Gipfel ist es zu windig und wir machen uns an den Abstieg. Suchen einen Picknickplatz. Andi flucht:”habe den Schnaps vergessen”. Ich hatte den Flachmann heute morgen noch in der Hand. Dachte, dass bei meinem aktuellen Konsum, Obstler um 11.00 keine gute Idee ist. Ich habe gerade Jack Taylor´s alkoholische Eskapaden durchgemacht.

“Ob in dieser Einöde Tiere leben?” frage ich mich. Eine Herde Dammwild rennt an uns vorbei. Mindestens 20 Tiere. Stampede. Kenne ich nur aus dem wilden Westen. Mir wird wieder bewusst, dass ich übersinnliche Kräfte habe. Eva ist von meiner Vision nicht beeindruckt.

Wir picknicken und reden über den Blog. Warum das immer persönlicher wird und nicht nur ein Wanderführer. Ich erzähle von meiner ersten Kritikerin; "schön geschrieben. Aber es fehlt das Persönliche."  Seitdem schreibe ich nur über mich. Muss dann auch weniger laufen.

Genug Ablenkung. Wie wandern weiter und verlaufen uns. Wieder durch die Büsche. Wieder an einem Weg biegen wir links, dann rechts ab. Verlaufen. Das Gps sagt: immer gerade aus.  Hindernisse. Egal. Wir steigen über Stämme.

Durchs Gebüsch. Kommen auf eine freie Fläche. Andi: “die Landschaft ist so besonders wegen der großen Schafherden. Die werden bewacht von riesigen Hunden. Die reissen auch Wölfe". Kein Schaf weit und breit. Nicht mal Köttel. Wahrscheinlich gibt's keine Wölfe und die Hunde sind mit ihren Schafen woanders hin. Oder Andi hat was falsch verstanden. Ich finde wir sollten rechts gehen also laufen wir links. Finden einen kleinen See, den wir umrunden. Sehr schön. Hier könnte man gut partywandern - mit vielen Freund:innen durch die Gegend laufen und irgendwo picknicken.

Wir finden den Weg zum Auto zurück. Die Geräusche der Autos auf der Bundesstrasse begleiten uns. Anscheinend langweilig. Nächstes Thema: Swingerclub. Escortservices. Maskenbälle. Einzelheiten? Habe ich vergessen. Oder hat Eva gesagt, ich solle nichts davon schreiben? Weiß nicht mehr. Wenn ich mich mal im Swingerclub verlaufe, gibts mehr.

Wir kommen bei unserem Schild an. Von hinten. War wohl doch das Minenfeld.

Die Wanderung ist einfach, spektakulär. Man kann sie beliebig verlängern. Auf guten Karten wie z.B. der Rother Wanderkarte sind die Wege im Naturschutzgebiet eingezeichnet.

Wie immer hat Eva noch ein kulturelles Highlight in petto. Ein absolutes Muss: die Hutfabrik in Luckenwalde.

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