Endlich Matterhorn

8. Januar 2025 Rocca di Novara, Sizilien

Die erste Wanderung 2025. Auf das Matterhorn Siziliens

Vor 2 Monaten waren wir hier noch mit Marc und Susanne auf der Flucht vor Trump. Und diesmal? Es gibt kein Erbarmen. Man weiß gar nicht mehr vor was und wohin man flüchten soll. Nachdem es bei Trump schon nicht geklappt hat, können wir es mal mit Musk und Zuckerberg versuchen. Alice Weidl ist fast die beliebteste Kanzlerkandidatin. Macht auch Angst. In  Österreich wird ein rechtsradikaler Kanzler. Zum Fürchten. In Frankreich ist Le Pen mit 96 Jahren gestorben. Halleluja.

Ich weiß das alles nur, weil ich morgen nach Berlin zurück fahre und zur Vorbereitung Zeitung lese. Hätte ich lassen sollen: der neue Spiegel - Newsletter: Alles Gute! - nur für gute Nachrichten. Nr.1: Mailand verbietet das Rauchen im Freien - good news? Vielleicht fake news - das hätte mal was.

Schnell weg auf den Berg.

Diesmal bei schönem Wetter, aber wieder zu spät. Lotta, Steffi, Milou und ich machen uns Richtung Catania auf. Unterwegs liegt das Matterhorn Siziliens - der Rocca di Novara. Neben dem Etna der markanteste Berg der Insel. Fast von überall zu sehen und immer zu erkennen. Eine einsamer großer Felsbrocken mitten in den grünen spitzen Gipfeln der Monte Peloritani. Auf der einen Seite der Etna auf der anderen die eolischen Inseln und im Hintergrund die schwarzen Hügel des Nebrodi Gebirges. Matterhorn im Grünen. Unvorstellbar, dass man da zu Fuß hoch kommt.

Nach Rother gehts. Dauert nur knapp 4 Stunden und man braucht ausser etwas Trittsicherheit keine besonderen Voraussetzungen. Das überzeugt Lotta, so dass wir mal wieder zu viert wandern.

Die Wanderung ist einer der schönsten, die man in Sizilien machen kann. Der Berg liegt zwischen Taormina, Messina und Milazzo und ist von allen Seiten zu erreichen - man muss halt fahren - lang fahren - mit dem Auto. Man kann ihn zwar immer sehen, aber auf dem Weg liegt er nicht gerade. Allerdings lohnt sich die Fahrt, wenn man Aussichten, steile Abhänge und Serpentinen mag. Der Weg führt zudem durch Novara die Sicilia. Wieder eines der schönsten Dörfer Siziliens. Und bekannt für seinen Käse - Maiurcheu. Wir sind hungrig, erwischen aber den falschen Laden und bekommen keine Panini mit Käse sondern langweilige weiße Brötchen. Dafür schaffen wir es diesmal heil durch die engen Straßen. Der VW Bus ist nicht optimal für Stadtbesuche in Sizilien. Unsere Spiegel sind schon kaputt. Also macht es nichts, wenn es eng wird. Uns kommt ein Schneeräumfahrzeug entgegen. Und wir passieren Schilder, dass es nur mit Schneeketten weiter geht. Ich kann kein italienisch, also kein Problem. Sind sowieso aus den Zeiten vor dem Klimawandel. Einige Serpentinen weiter kommt der Wanderparkplatz. Hier geht es erst einmal auf befestigten Wegen auf den Grad. An den Schafen und Ziegen biegt man rechts ab. Hier geht es den Weg weiter. Es gibt einen kleinen Ziegenpfad rechts neben dem Hauptweg. Achtsamkeit ist meine Stärke. Lotta meckert, es würde ja schon schnell mit dem Verlaufen anfangen. Ich will trotzdem auf den Ziegenpfad. Wir laufen etwas oberhalb der Wanderstrasse und haben einen sehr schönen Blick in´s Tal.

Wir finden auch den Hauptweg wieder (von wegen verlaufen - top erkannt) und gehen den Hang am Fuss des Berges auf dem gut erkennbaren Weg entlang. Die Aussicht auf das Meer, die Lagune von Tindari und Novara di Sicilia ist super.

Hinter uns sieht man die teils schneebedeckten Berge des Nebrodi und der Madonie. Gerade aus müsste der Etna kommen - ist auch so.

Kurz vor dem Etna, haben wir die Wahl zwischen rechts und links. Wir wollen auf den Gipfel und laufen rechts hoch. Der Etna sollte links sein. Ab jetzt ist verlaufen blöd. Erstens kommt man dann nicht auf den Gipfel und zweitens stürzt man ab. Auf der ersten Hochebene. Blick nach oben: unmöglich, da hoch zu kommen. Nur Fels und Stein. Fehlt noch Eis und Schnee. Aber es gibt einen roten Punkt.

Daran orientieren wir uns ab jetzt. Wir folgen den Punkten auf engen steilen und steinigen Wegen - gute Schuhe und Stöcke sind notwendig. Wahrscheinlich sollte das auch nicht die erste Wanderung sein. Ein bisschen Übung schadet nicht. Tatsächlich erreichen wir den beeindruckenden Gipfel mit Kreuz und allem drum und dran - auch starkem Wind. Kein Picknick.

Sofort wieder runter. Ich bin mir etwas unsicher, ob ich von oben die roten Punkte finde. Klappt. Wir klettern den gleichen Weg wieder runter - immer den Punkten entlang.

Wir kommen wieder an unserer Etna Abzweigung heraus. Jetzt geht es in die andere Richtung - Etna rechts. Ziel: steil abfallende Klippen. Wir gehen durch ein Gatter und es ist passiert. Mir fällt noch auf, dass es 2 Wege gibt. Als es immer weiter nach unten geht, fallen mir die Klippen links über uns auf. Solche Dinger gibt es hier sicher nur einmal. Vielleicht falsch. Wenn auch schön. Ich bin nicht allein; also umdrehen. Richtig laufen, ist auch gut. Wir klettern rechts durch den Wald und kommen an einem Plateau raus, von dem man weit oder tief sieht.

Ich habe selten so steil abfallende Felswände gesehen. Optimal für Lebensmüde. Ich springe nicht - alles gut; gerade wieder gesund und überhaupt. Wir laufen möglichst nah an der Kante entlang - nicht fallen aber das Schwindelgefühl genießen. Ich will schwindelfrei werden. Der letzte Versuch im Kletterwald hat nichts gebracht. Vielleicht klappt es hier. Am Ende der Klippen geht es runter in ein Wäldchen und dort immer dem GPS folgend zurück an unser Gatter.

Man kann die Wanderung abkürzen und diese Schleife auslassen. Aber schön ist sie. Wir laufen ab jetzt einen Forstweg immer abwärts - Rückweg. Bis wir an einen Zaun kommen. Hier gibt es die Variante rechts durch den Wald oder gerade aus am Zaun entlang. Wir gehen in der Sonne den Zaun entlang. Wieder am Weg angekommen, biegen wir links ab und kommen auf eine Ebene mit Bach. No way out. Hier ist es irgendwie richtig, aber auch falsch. Ein Weg ist nicht zu sehen. Es gibt Spuren - selbst für mich erkennbar in die falsche Richtung. Das GPS ist ungenau. Man kann allerdings sehen, wohin wir wollen. Auf den Kamm über uns. Da waren wir schon auf dem Hinweg. Hinweg und Rückweg sind von dort oben identisch. Ich verlaufe mich immer, wenn die Dämmerung naht. Winterwanderungen haben einfach den Nachteil, dass man nicht zu weit vom Weg abkommen kann. Außerdem ist mein Handy fast leer. Ich hatte irgendwo geschrieben, man solle eine Powerbank mitnehmen. Muss ich mir nochmal durchlesen. Oder mein Mantra “hab ich alles dabei” um Powerbank erweitern. Ich schicke Steffi die Route und wir versuchen unseren Handies zu folgen. Gleiche Route und trotzdem läuft jeder anders. Wege sind nicht zu erkennen. Die Ziegen und Schafe rennen vor uns den Berg herauf. Da wollen wir auch hin. Immer an den Ziegen orientieren. Dann kann nichts schief gehen.

Oben angekommen, geht´s Richtung den gleichen Weg zurück (bis auf den Ziegenpfad - diesmal setzt Lotta sich durch) gen Sonnenuntergang zum Auto.

Nachwandern ist absolut empfehlenswert. Die Wanderung ist spektakulär, nicht zu lang, man findet die Wege gut und hat bei gutem Wetter spektakuläre Aussichten auf den Etna, das italienische Festland, Milazzo, die eolischen Inseln und die Berge bis Cefalu. Also nicht´s wie los.

Man kann sich die Wanderung bei Nebel, schlechter Sicht, Regen, Schnee oder Ähnlichem sparen. Da kommt man nicht hoch oder um. Bei Depressionen ist das auch nicht zu empfehlen. Oder man lässt die Steilkanten aus (oder läuft einfach falsch den Berg runter ins Tal). Es gibt kein Wasser und wenig Schatten. Im August kommt man vielleicht in´s Schwitzen.



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