Pätz - Prieros, Brandenburg
Von Pätz nach Prieros mit Wolf und Katharina am 21. September 2024; wir laufen ca. 25 km in etwas unter 6 Stunden mit kleinerem Picknick.
Diese Wanderung ist schön, abwechslungsreich, aber auch lang. Wer es etwas unkoordiniert anfangen möchte, findet am Morgen seinen Rucksack nicht und geht mit Jutebeutel, Picknick und Trinkflasche los. Wer es sportlich mag, fährt – am besten mit dem Klapprad – die 15 Km von Prieros zum Bahnhof nach Bestensee mit dem Fahrrad. Optimal ist es ein Auto in Pätz am Dorfplatz abzustellen und ein weiteres in Prieros. Für Wanderer, die den öffentlichen Nahverkehr nutzen, müssen vom Bahnhof Bestensee loslaufen und mit dem Bus von Prieros zurückfahren oder Mitfahrgelegenheiten nutzen (es gibt dort eine Mitfahrbank und die Strecke ist gut befahren und hat wenig Abbiegeoptionen).
Ich treffe Wolf und Katharina am Bahnhof in Bestensee. Beide sind schon etwas schlecht gelaunt, weil ich erst jetzt auftauche. Das Klapprad finden sie auch komisch und mein Jutebeutel verunsichert sie. Immerhin hatte ich angekündigt, dass wir eine Wanderung machen. Ich verteile mein Picknick auf ihre Rucksäcke – meine Flasche wollen sie leider nicht tragen, also steigen wir grimmig ins Auto und fahren nach Pätz. Ab jetzt wird’s aber besser.
Also: los geht’s am Dorfplatz in Pätz. Von dort läuft man den ausgeschilderten Wanderweg Richtung Süden (oder für Unwissende wie mich – nach links wenn man auf den See blickt. Der Weg führt in das erste Naturschutzgebiet. Es geht leicht los – man folgt einfach der Beschilderung – alles ist top – Wiesen, Laubwald – wir nähern uns dem großen und sehr schönen Pätzer Hintersee. Jetzt verläuft man sich auch besser. Der furchtlose Wanderer folgt nicht mehr dem Wanderweg sondern biegt rechts ab und läuft auf einem kleinen Trampelpfad entlang. Die beste Orientierung ist das Ufer (an dem man nicht direkt entlang laufen kann). Je näher dran, je besser. Man schlägt sich übrigens nicht durchs Gebüsch. Die Machete wird es später gebraucht. Es gibt einen Trampelpfad – sehr idyllisch, man klettert über Bäume und kommt an die erste Badestelle. Sehr schön, aber man muss hier noch nicht reinspringen (außer man ist ein Hund, der überall und dauernd ins Wasser springen will). Es geht weiter über Stock und Stein – auf der einen Seite der See mit seinem verwunschenen Ufer, auf der anderen Seite steile Hänge mit alten Kiefern. Dort ist der Kahlkopf, der mit seinen 77 Metern in Brandenburg und Bergen geführt wird. Sehr schön. So kommt man dann zur nächsten Badestelle – noch schöner. Diese Stellen sind mit dem Auto nicht erreichbar. Trotzdem findet man oft zeltende Angler. Von hier ist es verlockend links am See weiter zu marschieren. Dafür braucht man dann allerdings die Machete. Da ich die bislang nicht dabei hatte, gehen wir kurz zurück und biegen dann nach rechts wieder auf den Trampelpfad. Nach ca. 10 Minuten ist man dann an der größten Badestelle. Sehr verlockend hier schon ein Picknick zu machen. Die Wanderung ist aber noch lang. Das war nur zum Warmlaufen. Wir folgen dann wieder dem Trampelpfad, der dann wieder zum Wanderweg wird und aus dem Naturschutzgebiet herausführt.
Hier gibt es dann das erste Markenzeichen. Wer das nicht findet hat sich definitiv verlaufen und muss umdrehen. Es handelt sich um eine riesige breite völlig gerade aus laufende Trasse auf der meines Erachtens Leitungen verlegt worden sind (ich habs nicht recherchiert). Bei gutem Wetter ist es hier richtig heiß. In der Mitte der Trasse gibt es eine Kreuzung. Wir biegen nicht rechts ab sondern halten uns auf einem Sandweg links. Zur rechten der langweilige Kiefernwald und geradeaus gibt’s außer Sand auch nichts zu sehen. Dem Weg laufen wir länger als wir wollen gerade aus (es sind vielleicht 10 Minuten), dann geht es leicht bergauf und es gehen gleichzeitig 2 Waldwege rechts ab). Einer geht leicht links, der andere leicht rechts. Der rechte ist der schönere – beide führen aber zur Pätzer Kiesgrube – unserem zweiten Naturschutzgebiet. Ab hier geht’s bergauf und wer nach 10 Minuten nicht an der Kiesgrube oder einem steilen Aufstieg hierzu ist – sollte auf die Karte schauen. Die Kiesgrube will man nicht verpassen. Wir haben sie diesmal gefunden und kraxeln den steilen Abhang hoch – immer den Motocross spuren folgen. Je steiler desto besser. Am Ende der Anstiegs ist man auf dem Grad mit Blick über die Kiesgrube. Das ist so spektakulär, dass ich nichts verrate. Man muss mir nur vertrauen. Für mich ist es eine der tollsten Aussichten in Brandenburg und ein super Platz für eine Pause. Wir laufen dann den Grad links weiter, bis wir auf den Hauptaussichtspunkt kommen. Den kann man nicht verpassen. Hier kommt man auch sehr gut mit dem Auto hin. Wem´s reicht kann von hier zum Auto zurück laufen. Das dauert keine 30 Minuten, ist aber nicht schön. Das muss man dann selber finden, wenn man es will.
Wir wollen es schön und laufen in die Kiesgrube runter. Dort gibt es keine richtigen Wege mehr sondern nur Sandstraßen, Trampelpfade oder ähnliches – Motocross wird hier gelebt auch wenn es verboten ist – Naturschutz halt. Wir sind zu Fuß und halten uns eher auf der rechten Seite der Kiesgrube. Dort finden wir 3 Tümpel, die einem wie Oasen vorkommen – warum in der Negev Wüste in Brandenburg Oasen sind? Das ist jedenfalls eine Reise wert. Wir kommen auf der anderen Seite der Grube an und halten uns links auf einem Weg im Wald – den muss man erst einmal finden. Aber so viele gibt es nicht und am Ende führen alle Wege (links) raus. Das Naturschutzgebiet endet mit einer Schranke (wenn man den richtigen Weg gefunden hat).
Bislang war es toll – aber es geht schön weiter. An der Kreuzung halten wir uns rechts und wandern auf einem breiten Waldweg weiter. Wolf und Katharina sind erleichtert – endlich mal Strecke machen. Geht nur nicht lang – 5 Minuten später kommen wir an einen – schlecht erkennbaren See. Kurz davor schlägt man sich in den Wald um am Ufer entlang zu laufen – das findet man kaum und im Wald verliert man auch immer wieder den Weg. Aber verlaufen macht ja auch Spaß und solange der See rechts von einem ist, ist auch nicht schlimm – die Kiefernwälder sind auch kein Hindernis (zumindest so lange man lange Hosen anhat). Wer es nicht findet nimmt einfach die nächste große Strasse nach links – dann läuft man am anderen Ufer entlang. Der Weg ist auf jeden Fall der bessere wenn es Kirschenzeit ist. Denn hier findet man mittem im Kiefernwald einen einsamen Kirschbaum. Allein dieses Wunder lohnt sich schon.
Wenn wir dann aus dem Gebüsch auftauchen, sind wir wieder auf einem Waldweg. Hier halten wir uns ein paar Meter links und kommen dann gleich an eine Kreuzung. Der orientierungslose hat keine Ahnung wo er ist, der Kundige erkennt dass der Weg nach links direkt in die Kiesgrube führt, aus der wir gerade erst gekrochen sind. Wir laufen aber nach rechts und machen wieder mal ein paar Meter Strecke bis wir zu einem Abzweig nach links kommen. Wir sind im nächsten Naturschutzgebiet – dem Sauberg (83 m). Das sieht erst mal nicht so spektakulär aus, da es eingezäunt ist. Es ist aber ein sehr schöner Eichenwald, der immer toller wird je weiter man hereinkommt. Wir laufen dem Zaun entlang, bis es nach rechts geht und gehen weiter immer dem Zaun entlang. Man kann dem Weg auch bis zum Ende problemlos folgen. Der Mutige versucht aber wenn der Zaun nach rechts abbiegt das auch zu machen und schlägt sich durch den Wald. Das sieht wenig attraktiv aus aber irgendwann wird’s grün – man kommt auf einen kleinen Weg, dem man links folgt. Hier findet man sich in einem traumhaften Eichenwald – für mich hat sich die Mühe gelohnt. Wolf und Katharina sehen etwas skeptisch aus. Das war jedenfalls keine Abkürzung. Der Pfad trifft wieder auf unseren früheren Weg und dem folgen wir dann geradeaus bis wir zur Bundesstraße kommen.
Die überqueren wir und laufen den Weg einfach gerade aus weiter bis er an einer Fläche endet, auf der lauter verbrannte Bäume stehen. Wir laufen rechts und kommen auf die Zufahrt zum Camping Platz Hölzerner See. Bei uns war Kinderfest und wir bekamen eine Bratwurst – normalerweise ist hier aber nichts. Wir laufen jetzt durch den Campingplatz zum Bolzplatz, den man überquert um dann durch ein Tor in den Wald gehen kann. Wie immer glaubt man mir nicht und Wolf fragt einen Fussballspieler, ders auch nicht besser weiß. Zu aller Überraschung ist das Tor offen und wir biegen nach rechts in den Wald ab. Wir sind jetzt in der Dubrow unserem letzten Naturschutzgebiet. Der Weg ist einfach – zum einen weil es sich zumeist um den Theodor Fontane Wanderweg handelt, zum anderen weil man immer so nah am See wie möglich entlang läuft. Wolf und Katharina gefällt es hier am besten. Alte Eichen, der See unter uns, Boote, Bade- und Picknickplätze – einfach toll. Der Weg ist allerdings auch lang und so schön er ist – es zieht sich und so langsam tun die Füße weh und die Laune sinkt etwas. Wir machen eine Pause an 3 ins Wasser gefallene Bäume auf denen man balancieren kann (wenn mans kann, wenn nicht liegt man im Wasser). Ich probiers mal aus. Die anderen wollen nicht. Nach dem Picknick kommen wir zum nächsten Campingplatz – ich bin mir ganz sicher dass man rechts abbiegen muss als ein paar Campingtische am Ende des Platzes kommen. Es ist auch klar, dass ich richtig liege. Es handelt sich um einen kleinen Trampelpfad, der eigentlich nur zu einem illegalen Klo oder einem tollen Abenteuer führen kann. Wolf und Kahtarina sind skeptisch, aber ich bin mir sicher. Da bislang alles geklappt hat, folgen Sie mir in den Wald. Wie man sich denken kann, war ich mir so sicher, dass ich nur falsch liegen kann. Wir kommen zu einer sehr schönen Badestelle und gehen weiter in den Wald bis auch ich mir eingestehe, dass es sich wohl um eine Sackgasse handelt. Ich latsche meinen mißmutigen Freunden hinter her – habe aber nur einen kleines schlechtes Gewissen – ich fands schön und das Ganze heißt ja auch verlaufen mit Lorenz. Bisher ists viel zu gut gelaufen. Jedenfalls habe ich jetzt Lunte gerochen und will eine Abkürzung suchen. Aber jetzt wird’s schwerer meine Mitstreiter von meinen Ideen zu überzeugen, also immer weiter den Thoedor Fontane Weg entlang – immer direkt am Wasser (Wenn man das nicht ist, dann hat man sich verlaufen – was schade wäre). Der Weg ist toll – übrigens kann man das hier auch sehr gut mit dem Mountainbike fahren.
Am Ende wird es immer zivilisierter – wir erreichen das letzte Ende von Prieros. Ab jetzt wird’s halt der Heimweg. Bei der AWO folgen wir der asphaltierten Straße bis zur Hauptstrasse und biegen rechts ab nach Prieros über die Brücke. Hier ist die Mitfahrbank, die Bushaltestelle und eine Kneipe in der es von Eis über Fischbrötchen zu Bier alles gibt. Wir machen eine Pause und hoffen, dass uns jemand abholt – was allerdings keiner will. Also machen wir uns auf die letzten 3 Kilometer zu uns – immer den AFD Plakaten folgen. Weil es zu lang wird, verfallen wir in eine politische Diskussion – immerhin stehen die Wahlen an und die FDP und die Grünen dürfen gerade so mitmachen auch wenn sie keine Stimmen bekommen. Dafür haben wir ja die BSW, die AFD und Woidke, der seine eigene Partei ist. Jedenfalls sind wir so hitzig in unsere Diskussion vertieft, dass sich unsere einzige Mitfahrgelegenheit nicht traut anzuhalten als sie uns überholt. Wir treffen Alexandra erst auf dem Steg – geistig und körperlich erschöpft aber gut gelaunt.
Die Wanderung kann man zu jeder Jahreszeit machen - auch in beide Richtungen und auch abkürzen. Am Besten ist es wenn man das Auto in Prieros bei der AWO abstellt. Auf den Karten von Komoot und Rother kann man fast alle Wege als Pfade sehen; GPS gibt es in meinem Komoot Account.