Links in Brandenburg

Solange man sich immer links hält, kann nichts passieren.

1.12.2024 - mit dem MTB von Königs-Wusterhausen nach Prieros

Scafa/Catania/Malta/München/Salzburg/Bad Reichenhall/Berlin und jetzt Prieros – in 8 Tagen durch Europa. Kosmopolit, Getriebener, Flüchtling.

Jedenfalls bin ich wieder unterwegs. Ziel: mit dem MTB nach Prieros – wie genau, weiß ich noch nicht. Ich soll abends bei Matthias sein, muss aber auch noch Wasser abstellen und alles winterfest machen. So richtig zieht’s mich nicht in die Kälte. Als guter Freund mache ich mich fertig: lange Unterhose, warme Socken, hohe Schuhe, Skianorak, Mütze, Handschuhe. Ich radele ziellos los und denke über die Wohnung nach. Viel zu groß für mich allein. Ich habe den ganzen Morgen aufgeräumt. Ein Fünftel sieht perfekt aus, der Rest schlimmer als vorher. Ist eine WG die Lösung? Gibt es potenzielle Mitbewohner:innen, die 20 % Platz brauchen und 80 % mit mir aufräumen würden? Wie findet man überhaupt Mitbewohner:innen? Muss man sich einschreiben? eBay Kleinanzeigen? Tinder? Seniorenheim? Ich konzentriere mich erst mal auf den Weg. Wo will ich eigentlich starten? Für eine große Tour ist es wieder mal zu spät. Super aufräumen. Dann halt direkt von Königs Wusterhausen nach Prieros. Ich plane eine Tour, die ich irgendwann schon gefahren bin. Ca. 2 Stunden – reicht gerade bis Sonnenuntergang.

Wenn ich frage, ob jemand zum Radfahren mitkommen will - sofort Nein sagen. Wandern ist schon schwierig. Mit dem MTB ist mein Radius zu groß. Da muss ich jede Abzweigung ausprobieren. Fear of missing out.

Außerdem verbinden sich meine Radtouren meistens mit Wandertouren. Im Lake District habe ich mein Rad über Stock und Stein auf den Berg geschleppt, um mir beim Runterfahren den Hals zu brechen. Also, wenn überhaupt mitkommen, dann mit leichtem Gepäck, guten Schuhen, Helm und keinesfalls mit einem E-Bike.

Heute kann jedenfalls nichts passieren. Alles flach. Nicht weit. Route top geplant.

Von der Friedrichsstrasse geht es wie so oft mit dem R 2 Richtung Cottbus. Nah am BHF K-W gibt es einen Wanderweg durch den Wald Richtung Zeesen. Ich bin schon jetzt etwas zu weit rechts von meiner Tour - schnell links abbiegen.

An der nächsten Wiese ist eine Abzweigung. Links ist es schön, geradeaus auch – und mir unbekannt. Unbekannt gewinnt. Links abbiegen kann ich dann am Zeesener See. Um einen See kommt man immer herum. Der Zeesener See ist eine Ausnahme.

Nachdem man erst durch eine idyllische Wiesenlandschaft mit Pferden fährt, kommt man nach einigen Metern im Dorf an den See.

Dort hält man sich wieder links, bis man nach wenigen Metern im Dickicht landet - deshalb das Schild Naturschutzgebiet. Also andersrum. Hier geht’s gut, und man kommt an eine schöne Badestelle. Geht doch!

Nach 200 Metern endet der Weg am Tor. Solche unerwarteten Sperren kenne ich eigentlich nur aus Sizilien. Zu Fuß kann man rüberklettern. Stört sicher niemanden. Ich glaube, es ist der Zaun zum Freibad. Mit dem Rad habe ich die Befürchtung, dass ich abstürze. Also umkehren und durch das Dorf bis ans Ende des Sees. Hier kommt die Landstraße Richtung Lübben oder K-W. Man kann links abbiegen und nach ein paar Hundert Metern wieder links auf einem kleinen (wahrscheinlich schönen) Weg Richtung Gräbendorf fahren. Oder man biegt scharf links ab Richtung – keine Ahnung. Auf der Karte ist erst ein Weg eingezeichnet, danach könnte es Wildnis sein. Natur ist immer schön. Wer wie ich in die Natur will, biegt links ab und kommt an eine Wiese. Dort kann man sich rechts auf dem ausgebauten Weg halten (ich weiß allerdings nicht wohin der geht). Denn ich nehme den Trampelpfad quer über die Wiese. Wozu hat man ein MTB. Am Ende der Wiese geht es kurz in den Wald und dann landet man wieder an einem See.

Wen wundert’s. Brandenburg – das Land der 1000 Seen. Wenn man am See ist, kann man baden. Ich nicht. Es stellt sich wieder die Frage - links oder rechts um den See. In Brandenburg hält man sich besser links – ist zwar unpopulär, aber schöner.

Es gibt einen kleinen Pfad links um den See. Ziemlich rumpelig. Im Winter sollte man nicht in den See fallen. Fahrrad und ich geben uns Mühe – mit Erfolg, wenn auch knapp.

Am Ende kommt man dann auch auf den Weg Richtung Gräbendorf. Ich bin schon 90 Minuten unterwegs - jetzt heißt es Strecke machen und vor der Dunkelheit ankommen. Es gibt schon wieder eine Abzweigung nach links - links bringt Glück. Man fährt jetzt an Wiesen mit Kühen und Krähen vorbei.

Bei bei dem weißen Schaf biegen wir ausnahmsweise rechts ab - Sackgasse, Privatstrasse. Der Brandenburger ist gastfreundlich und Fremdem gegenüber aufgeschlossen. Als wir an der Kette vor dem Haus ankommen, will ich mich darauf nicht verlassen. Wir drehen um. Rechts in Brandenburg kann man sich sparen. Immer links halten.

Nach einigen Kilometern erreicht man Gräbendorf. Hier gibt es 2 hervorragende Bäcker - man sollte auf jeden Fall Pause machen. Ich bin allerdings viel zu spät dran. Wenn ich so weitermache, muss Matthias alleine essen und ich erfrieren.

In Gräbendorf kann man auf dem gut angelegten Radweg an der Straße einige Kilometer lang nach Prieros fahren oder Richtung „Haus des Waldes“. Hier waren wir früher oft mit Hannah und Lotta – das macht mich sentimental und von dort finde ich es auch im Dunkeln nach Hause. Also fahre ich doch noch einmal einen Umweg.

Kurz vor dem Wald kann man links abbiegen oder den Waldweg geradeaus nehmen. Wenn man sich zu weit links hält, dann kommt man wieder ins Dickicht, wie ich jetzt weiß. Halb links geht auch und führt erst etwas kurvig, aber dann immer geradeaus zum Frauensee.

Hier angekommen sollte man tatsächlich nach rechts abbiegen. Links sind die Rechten – dort kommt man zum Kiez Frauensee. Im Ferienlager wurde im Sommer eine Schulklasse von Kindern mit Migrationshintergrund von einheimischen Jugendlichen vertrieben. Für die Polizei war´s nicht so schlimm. Die AfD fand die Reaktionen auf den rechtsradikalen Übergriff erschreckend diffamierend – es gab schließlich weder Körperverletzung noch Sachbeschädigung.

Auf einem schönen Pfad geht’s um den See. Man kommt wieder an einsamen Badestellen vorbei. Am Ende des Sees fährt man durch die typische brandenburgische Kieferplantage bis man an der nächsten Badestelle herauskommt. Dort an der Schmölde biegt man LINKS auf den Pfad direkt am See ab. Hier fährt man halsbrecherisch am See entlang – oder schiebt.

Ich fahre und falle nicht in den See.

Angekommen. Es ist gerade noch hell. Ich erwische den Sonnenuntergang und trinke ein Bier in der Kälte am See. Marc hat gesagt, ich komme bei meinem Blog immer wie ein Looser rüber. Stimmt wahrscheinlich. Objektiv gesehen, bin ich toll. Ich kann das so halt nicht schreiben.

Die Tour ist super, wenn man sich die überflüssigen Abzweigungen spart. Man kann auch die geplante Tour machen - auch sehr schön. Ich würde beide zusammenlegen und eine Rundtour fahren.

Die Fahrt ist manchmal anspruchsvoll und man braucht ein MTB und etwas Mut. Oder man schiebt. Im Sommer kann man oft baden und in Gräbendorff eine Pause bei den Bäckern (Bäckerei Schueren oder Brotsommelier) machen.

Die gemachte Tour:

Geplante Tour:


PS:
Am nächsten Morgen fahre ich Richtung Berlin über die Brücke nach Dolgenbrodt. Auch sehr schön und privilegiert. Hier wurde 1992 das Flüchtlingsheim abgebrannt. Weiß aber niemand mehr.

PS 2:
Heute habe ich erst Alice Weidel als neue Kanzlerkandidatin der AfD und dann Donald Trump zur Einweihung von Notre Dame gesehen. Ich finde, die sehen beide gleich komisch aus - scheint ein Erfolgskonzept. Vielleicht kommts aber auch auf die inneren Werte an. Oder auf die Inhalte. Was weiß ich. Wer bin ich schon.

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