Klettern am Karhorn

Körbersee, 11. August 2025

Bregenzerwald - der schönste Ort Österreichs - Kletterberge und Murmeltiere: wer schönes erleben will, der folgt der Käsestrasse

11. - 14. August 2025

Eigentlich sollte es Schluss mit dem Bregenzerwald sein. Nach der Kanisfluh und der Winterstaude hatte ich genug vom - unter-der-seilbahn-steil-hoch-wandern. Disentis? Wenn schon steil, dann wenigstens auf hohe Berge. Nach Tilla´s Hinweis auf meine Kindheitstraumata geben wir den Plan auf. Nächste Idee: Domodossola - noch ein Ort, an den man nie fährt. Genauso wie in die Via Mala. Durch die wollte ich schon immer. Das letze Mal hat mich der Schnee oder meine Sommerreifen gehindert. Durch die Via Mala, über den San Bernardino und nach Domodossola. Ganz schön viel für ein paar Tage. Am Freitag wollen wir in Stuttgart auf Marc´s Vernissage. Schöner Plan, leider nicht gut. Ich suche wieder um Rat bei meinem Vater - ist zwar immer noch nicht altersmilde aber wenigsten weise. Ohne nach zu denken kommt sofort: “Körbersee”. Ich frage: “wo?” "Bregenzerwald". Na toll. Gerade noch ein Zimmer frei. Also dann wieder die Käsestrasse hoch. Diesmal wenigstens bis zum Ende. Zum Abschied: noch einmal Boulespielen in Lindau.

Montag früh: bei schönstem Wetter geht es los. Nachdem das M. uns beschimpft hatte, keine eigene Ausrüstung zu haben, müssen wir erst Rucksack und Stöcke kaufen. Dann geht es aber Richtung Käsestrasse nach Schröcken. Dort packen wir unsere komplettes Gepäck - samt Boulekugeln, Meditationskissen und ähnliches in die Materialseilbahn und laufen (nicht unter der Seilbahn) zum Körbersee. Schöne Landschaft - wie überall im Bregenzerwald eben.


Weiden, Kühe, bewaldete Berge mit schroffen Felsen und Kanten. Hier gibt es Gebirgstiere - wir hören entweder ein Murmeltier oder Adler - wir sind nicht ganz sicher. Vom Ton her könnte es beides sein. 2 Tage später treffen wir in der Nähe ein totes Murmeltier - ich habe meine Wette gewonnen. Es war ein Murmeltier - oder der Adler hat ein Murmeltier gerissen und verloren. Hinter der Idylle tauchen jetzt auch richtige Berge auf - das Massiv um das Karhorn und der Widderstein.

Grosser Widderstein

Karhorn


Einige Tage später wissen wir, dass das die beiden Signatureberge hier sind und dass man da auf rauf klettern kann. Jetzt sind es einfach nur schöne, beeindruckende, graue Felsspitzen, die in den blauen Himmel ragen. Wir laufen weiter die Wanderstrasse an der Au entlang bis wir zur Abzweigung Richtung Körbersee kommen. Ein kurzer Anstieg über den kleinen Wanderpfad bringt uns zum Grat. Ausblick auf den Körbersee - eine Miniatureisenbahnlandschaft - blauer Gebirgsee, umrandet von grünen Wiesen, Schilf und Moor, ein paar Badende, Kinder spielen auf dem Ruderboot, Hunde springen herum. Am anderen Ufer unser Hotel und im Hintergrund der große Widderstein. Das sieht mehr nach Postkarte als nach Realität aus. Mein Vater hat gesagt, das wäre echt und ich höre immer auf ihn, also gehen wir zum Ufer, ziehen uns aus und springen erst einmal in´s Wasser. Echt und kalt und schön. Wir kommen zum Schild - schönster Ort Österreichs 2017. Das war bevor die FPÖ als erste rechtsextreme Partei (nach den Nazis) die stärkste Kraft in Österreich wurde. 2025 wirds wahrscheinlich Wörgl - nicht so schön aber schön weit rechts.

Wir planen unsere Wanderungen - morgen geht es auf das Karhorn. Den Widderstein lassen wir aus - hin und zurück der gleiche Weg. Wir wollen mehr Abwechslung. Ich schaue kurz auf komoot - 5,5 Stunden, schwere Wanderung, anscheinend extrem gut gesichert, griffiger Fels. Hört sich gut an.







Dienstag 12.8. Wieder schönes Wetter - wo wir sind, ist das Wetter schön. Kein Frühsport, nur Kopfwackeln, Frühstück und auf den Berg.

Diesmal laufen wir die andere Seite des Sees entlang und folgen dann der Au entlang wieder der Wanderstrasse entlang. Richtung Lech am Arlberg. Auf der linken Seite gehen die Skilifte des Skigebietes Warth-Schröcken.

Von hier geht´s auch in den Arlberg. Wir schauen uns um und eigentlich gibt es auf allen umliegenden Gipfeln Bergstationen. Liftanlagen, Bergbahnen - der Arlberg ist auch im Sommer ein großes Skigebiet - im Winter eben mit Schnee. Aber das wird noch. Weihnachtswandern am Arlberg- der Klimawandel macht´s möglich. Wir biegen jedenfalls ab zum Karhorn - eine reines Felsmassiv. Ohne Lifte, dafür mit Klettersteig. In unsere Richtung wandert niemand; es kommen uns aber recht viele entgegen. Ich bewundere die Ausrüstung. Weiße Helme, Karabiner, Klettergürtel, Handschuhe, Kletterschuhe. Der östereichische Alpinist sieht anders aus als wir. Dafür würden wir auch in Berlin nicht auffallen. Ehrlich gesagt, verunsichern uns unsere Mitwanderer schon. Auf der Karte stand auch Klettersteig. Und auf dem Schild vorhin: nur für Geübte. Na also. Wir kommen zur Abzweigung am Fusse des Karhorns. Gerade aus zum Warther Hörnli oder links hoch zum Karhorn. Es kommen einige Kletterer von oben runter. Wer runter kommt, kommt auch hoch. Wir kraxeln auf allen vieren immer am Seil entlang Richtung Gipfel.

Jetzt verstehe ich auch, wozu die anderen die Karabiner und den Gurt brauchen. Links und rechts vom Gipfel sehen wir die Kletterseile auf dem Grat, wo sich die anderen entlang hangeln. Wir sind schon sehr neidisch auf deren Klettersteigsets - aber es geht auch ohne. Zumindest bis zum Gipfel.

Oben angekommen genießen wir die weite Sicht - natürlich auch wieder auf den Widderstein und diskutieren, ob man auch ohne Set den Klettersteig zum Warther Hörnli gehen kann. Wir versuchen es, aber dann bekomme ich doch Schiß und wir drehen um, klettern zurück und nehmen dann den Weg am Fuße des Karhorns.

Wie allen anderen, geht uns in der Gluthitze des Wasser aus. Wir schauens sehnsüchtig auf die Skihütten in der Talsohle unter uns und träumen von Johannesbeerschorle, Almdudler mit Kaaspressknödeln. Wenigstens finden wir einen Wasserfall und füllen unseren Wasservorrat auf und laufen durch das Skigebiet Richtung Heimat. Wir gehen immer am Fusse unseres Massivs auf kleinen Pfaden durch die Wiesen und schauen auf den großen Widderstein, der noch unzugänglicher aussieht als unser Karhorn. Eigentlich würde ich da schon gern hoch. Darf ich nur nicht Guru Schneider sagen - sonst gibt der mir noch mehr Übungen zum Aufbau meines Yins. Wir laufen am Saloberkopf vorbei - dem Zentrum des Skigebiets und kommen langsam in die nähere Umgebung unseres Sees. Die Beine werden schwerer. Der Weg ist nicht mehr schön und wir müssen uns entscheiden. Langweilig, aber sicher nach Hause - oder unsicher aber mit Sicherheit schön. Schön ist immer gut. Wir klettern die Weide herunter zum Weg in das Gestrüpp auf der anderen Seite des Weges und laufen - sehr schön -

Richtung Körber See. Vom Sonnenkopf schauen wir auf den See. Finden die nicht markierte Abzweigung und schlagen uns auf dem Trampelpfad durch die Büsche zum Seehotel. Nacktbaden ist heute nicht. Lieber Bier und Backgammon.

Die Wanderung ist tiptop. Es geht ohne weiteres ohne Klettersteigset. Mit Set kann man allerdings das ganze Massiv um das Karhorn entlang klettern. Das hätte mir schon sehr gefallen. Aber auch so ist es wert.


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